8. Budopädagogik-Kongress 2015 in Berlin – „Kampfkunst in Pädagogik und Therapie“

Wie jedes Jahr zum 2. Novemberwochenende fand der Budopädagogik-Kongress statt, nach letztem Jahr in Österreich (Linz) diesmal wieder in Deutschland, nämlich der Bundeshauptstadt Berlin.

Als Veranstalter eröffnete Ralf Gelowicz, der langjährige Präsident des Internationalen Berufsverbandes (BvBP e.V.), die Veranstaltung, den immerhin 8. Jahres-Kongress.

Über die Theorie der Budopädagogik und Budotherapie, ihre Geschichte und wissenschaftlichen Erkenntnisse, referierte der Begründer dieser Disziplinen selbst, Dr. Jörg-Michael Wolters (Institut für Budopädagogik – IfBP, Stade/Hamburg). Dabei zog er einen Bogen vom Wesen des Budo, seinen sechs Wesenselementen (Bu/Kampf, Do/Weg, Dojo/Gemeinschaft, Reigi/Werte, Shitei/Lehrmethode und Zen/Geist) über die sechs Prinzipien (Issho/Einheit, Onmyodo/Yin-Yang-Lehre, Mitsu Tomoe/Dreieinigkeit, Shidai/buddh. Elementenlehre, Gogyo/Fünf Wandlungsphasen und Tokushoku/Budo-Eigenart) zu den Methoden und bisherigen Studien zur Budopädagogik und -therapie sowie schließlich den neuesten Entwicklungen im Sinne von Professionalisierung, Akademisierung und Internationalisierung.

In den folgenden Workshops wurden anhand exemplarischer Übungen verschiedene Ansätze von Budopädagogik und -therapie mit ganz unterschiedlichen Zielgruppen
verdeutlicht. Hier hatten die Besucher die Möglichkeit, die Wirkung und Bedeutung am eigenen Leib kennenzulernen:

Ralf Gelowicz, Budopädagogik-Master (Kahl a.M.), langjähriger Budopädagoge in der Arbeit mit schwierigen, verhaltensauffälligen Kindern und Jugendlichen, demonstrierte mit dem japanischen Hanbo (ca. 1m langer Stock) bewährte Jonglier-Übungen zur Verbesserung der Köper-Geist-Koordination. Hier verfügt der Leiter über viel positive Erfahrung in seiner Arbeit.

Michael Kipp, Budopädagogik-Master/i.A. (Schifferstadt), der u.a. im Kontext sozialpädagogischer Hilfen zur Erziehung arbeitet, ließ Übungen mit dem Jo (ca. 120cm langer Holzstab) machen, in denen Nähe-Distanz, also Partnerarbeit, Inbeziehunggehen und Körperkontakt im Vordergrund standen.

Marc Grunske, Budopädagoge (Berlin), ebenfalls tätig im Feld von Hilfen zur Erziehung, erörterte und diskutierte mit den Teilnehmern in seinem Workshop den Nutzen budopädagogischer und körpertherapeutischer Konzepte im Rahmen von Paar- und Familientherapie. Sein Thema war vor allem die Arbeit an den Postulaten von Präsenz und Raum.

Doris Nachtlberger, Budopädagogik-Master/i.A. (Wien) verdeutlichte mit dem Schwert als Mittel der Konfrontation, dass Gefühle, vor allem Aggression, und innere Haltungen mit diesem budopädagogischen Mittel zu beeinflussen sehr wirksam ist. Die Teilnehmer agierten lautstark mit dem Holzschwert.

Guido Wehr, Budopädagoge (Schopkau), der in der stationären Kinder- und Jugendpsychiatrie arbeitet, nutze das Medium der Eskrima-Sticks, um aufzuzeigen, in wieweit die Partnerübungen eine Aktivierung und Energetisierung bewirken, von denen vor allem ängstliche oder depressive Klienten profitieren.

Im Abschlussresümee zeigten sich die meist pädagogisch arbeitenden Teilnehmer sehr zufrieden, von Theorie und Praxis der Budopädagogik sehr bereichert und inspiriert. Auch Rahmen und Atmosphäre der Veranstaltung im Sinne „Klasse statt Masse“, die der Berliner Ausrichter, Budopädagoge Joachim Schröder und sein Team organisierten, fanden viel Lob und Anerkennung.


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