7. Budopädagogik-Kongress 2014 in Kirchschlag bei Linz (Österreich) „Frischer Wind – Inspiration – Umdenken – Haltung einnehmen – bereit sein !“

Am 8.11.2014 fand in Kirchschlag bei Linz der internationale Kongress der BudopädagoInnen erstmals in Österreich statt. Unter Beteiligung von ReferentInnen und WorkshopleiterInnen aus Deutschland, der Schweiz und Österreich wurden ca. 40 interessierten TeilnehmerInnen aus den Berufsfeldern Pädagogik/Sozialarbeit, sowie KampfkünstlerInnen unterschiedlichster Disziplinen das breit gefächerte Betätigungsfeld der Budopädagogik theoretisch wie praktisch in verschiedenen Ansätzen vermittelt.

Nach dem traditionellen Grußwort des 1.Vorsitzenden des Berufsverbandes BvBP e.V. Ralf Gelowicz (Budopädagogik Master, Sozialpädagoge, Karate) hielt der ‚Spiritus Rector‘ der Budopädagogik Dr. Jörg-Michael Wolters (Ausbildungsleiter Institut für Budopädagogik IfBP Stade, Erziehungswissenschaftler, Psychotherapeut, Budolehrmeister, Karatedo-Hanshi 7.Dan) einen einführenden Vortrag „Budopädagogik – ein erfolgreicher Ansatz in Sozialpädagogik und Therapie“.

Über die Rolle der „Spiritualität in der Pädagogik allgemein, deren Relevanz und notwendiger Entmystifizierung“ sprach Jeannine Schröder (Budopädagogik Master, Sozialpädagogin, Judo/Aikido) aus Berlin und verstand es hierbei unaufgeregt und pragmatisch, so manch ZuhörerInnenherz zu berühren.

Der erste Praxisworkshop führte die TeilnehmerInnen von den schönen Seminarräumlichkeiten des Bildungshauses Breitenstein in den Turnsaal einer nahe gelegenen Schule, in dem von Lukas Fleischer aus der Schweiz (Budopädagoge, 2.Dan Judo SJV, J&S Lehrer) ein mobiler Dojo beeindruckend aufgebaut worden war. Erstmals in ein gefühltes Wesenselement der Budopädagogik eingebettet, wurden die TeilnehmerInnen in die Welt budopädagogischer Arbeit für Menschen mit einer Behinderung (“Respekt: Das wünschen sich Menschen mit einer Behinderung“) einfühlsam und dennoch bestimmt eingeführt.

Nach der Mittagspause, die ein vorzügliches Buffet aber leider zu wenig Zeit für die TeilnehmerInnen bereithielt, ging es weiter mit einem Vortrag samt kleiner Übungseinheit („Budopädagogische Ansätze im Umgang mit straffälligen Jugendlichen im Spannungsfeld zwischen Repression und Prävention“). In einem von Doris Nachtlberger (Jugendstrafrichterin und Budopädagogin aus Wien, Wushu/Iaido) vorgeführten Dialog holte sich die erschöpfte Göttin Iustitia Rat bei ihrem inneren Samurai und lernte von diesem ihr Schwert der Entscheidung mit Entschlossenheit und vom Herzen aus zu führen. Nach einer kurzen Erläuterung budopädagogischer Ansätze im Umgang mit straffälligen Jugendlichen im Spannungsfeld zwischen Repression und Prävention konnten die TeilnehmerInnen sodann mit dem japanischen Holzschwert, im Rahmen von Partnerübungen auf unterschiedliche Emotionen fokussiert, sich in ent-scheidender Handlung üben. Mit einem Papierschnitt-Ritual beendete jede TeilnehmerIn für sich diesen Beitrag.

„Wo es lang geht, wenn es eng wird?“ ließ Michael Kipp (Erlebnis- und Budopädagoge, 2. Dan Aikido) aus Speyer mit seinen Strategien für den Alltag für Jugendliche und jung gebliebene Erwachsene in einem weiteren Praxisworkshop im mobilen Dojo eindrucksvoll erleben. Mit unterschiedlichen Partnerübungen wurden die verschiedenen Formen der Konfliktbewältigung auch in Hinblick auf den jeweiligen Energieeinsatz aufgezeigt, wobei es letztlich um die Entwicklung der Friedfertigkeit als Handlungskomponente ging.

Nach einer kurzen Erholungspause gab Reinhard Röhrenbacher (Sozialpädagogische Fachkraft, Budopädagoge, Aikido) aus Linz ein Beispiel für „Engagiertes Wirken budopädagogischer Praxis“, das auf reges Interesse der mittlerweile leicht erschöpften TeilnehmerInnen stieß.

Der letzte Workshop führte die TeilnehmerInnen zurück in das Seminarhaus Breitenstein, in dem der Hausherr Joseph Badegruber (Psychotherpeut, Zenlehrer) auf höchst erfrischende wie entspannende Weise die therapeutische Wirkung achtsamer Atmung als praktische Einführung in ZaZen mit kleinen Geschichten und Körperübungen dem Publikum nahebrachte.

Nach dem großen Ausatmen dieses letzten Beitrages stellten sich alle ReferentInnen und WorkshopleiterInnen noch einmal den vereinzelt auftauchenden Fragen der KongressteilnehmerInnen und durften sodann ein durchwegs positives und auch begeistertes Feedback letzterer entgegennehmen.

Das Programm war dicht, intensiv und in vielerlei Hinsicht für alle sehr inspirierend. Durchaus zu Recht wurde von vielen bedauert, zwischen den Beiträgen zu wenig Zeit für Austausch zu haben, zumal sich das Bedürfnis dazu einerseits durch das bunte Programm aber auch die am Kongress beteiligten interessanten Menschen ergab. Dem Motto des ersten österreichischen Kongresses „Frischer Wind – Inspiration – Umdenken – Haltung einnehmen – bereit sein!“ wurde jedenfalls Rechnung getragen und so konnten alle zufrieden ihre Heimreise antreten.

Bericht verfasst von Doris Nachtlberger


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